Kundgebung 23. Juli 2020 in Stuttgart

Wir danken der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Frau Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, dem Präsidenten des Deutschen Schausteller Bundes, Herrn Albert Ritter, sowie allen Rednern und Teilnehmern, die zu dem Erfolg dieser Veranstaltung mit beigetragen haben!
 

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vom 29. Juli 2020

Meldung 15.05.2020

Erhalt des Kulturgutes Volksfeste und Jahrmärkte und eigene Existenznotlage kommt bei Schaustellern und Marktkaufleuten einer Gratwanderung gleich.

 

Bedingt durch vom Staat getroffene Verordnungen zum Schutz der Bevölkerung wurde Schaustellern und Marktkaufleuten die Existenzgrundlage entzogen und die Möglichkeit genommen ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Obwohl diese voll hinter den zum Schutz der Bevölkerung getroffenen Maßnahmen stehen, sind die Gewerbetreibenden ohne schnelle staatliche Finanzhilfen nicht in der Lage ihre Betriebe und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten. Bevor die Saison 2020 überhaupt begonnen hat sind schon über 90% der Veranstaltungen über den 31. August hinaus abgesagt worden. Dies ist einem staatlich verordneten Berufsverbot gleichzusetzen.

Monatelang keine Einnahmen, seit Dezember 2019, bei hohen fortlaufenden Fixkosten, das stellt selbst gesündeste Betriebe vor Existenzprobleme. 

Sollte die Politik nicht sofort mit finanzieller Unterstützung reagieren, mutiert die wohlgemeinte Soforthilfe zur Sterbehilfe für das Jahrtausende alteKulturgut Volksfeste und Jahrmärkte bzw. für Schausteller und Marktkaufleute, die dieses seit Generationen eng verbunden pflegen und erhalten.

Durch die sehr unterschiedlich strukturierten Betriebe fällt das Reisegewerbe bisher durch alle Raster der von Bund und Land aufgelegten Hilfsprogramme. Nicht einmal ansatzweise wurden hier die unterschiedlichen Gegebenheiten gewürdigt. Es scheint sich auch die Frage zu stellen, ob sich die Politik überhaupt für die Existenznotlage von Schaustellern und Marktkaufleuten entsprechend sensibilisieren lässt. Regierenden und Volksvertretern scheint die akute Gefahr des Aussterbens des Gewerbes und des damit eng verbundenen Kulturgutes, trotz aller Hinweise und Appelle, nicht bewusst zu sein.

 

Beim Betrachten der historischen Entwicklung des Reisegewerbes müsste jedem die inzwischen sehr

enge Verzahnung mit dem übrigen Wirtschaftsleben auffallen. Über den Zulieferbedarf, wie Getränke, Lebensmittel, Textilien und Hygieneartikel etc. werden durch Marktkaufleute und Schausteller auch in anderen Branchen nicht wenige Arbeitsplätze indirekt geschaffen und erhalten.

 

Bedingt durch die strukturellen Unterschiede der einzelnen Betriebe muss die erforderliche Finanzhilfe differenziert betrachtet werden.

 

So müssen Großschausteller (Riesenräder, Free-Fall-Tower etc.) von einer anderen Warte aus betrachtet und unterstützt werden wie mittlere Betriebe mit Fahr- und Laufgeschäften etc. Als kleinere Betriebe sind Handelsbetriebe nach Schaustellerart und Marktkaufleute etc. einzuordnen.

 

Es sollte bzw. muss schon deshalb differenziert werden, weil deren Fixkosten unterschiedlich 

hoch sind. So sind bei Großschaustellern allein monatliche Leasingraten ohne weitere Fixkosten

von € 30.000,- keine Seltenheit. Bei mittleren Betrieben bewegen sich die Leasingraten auch im Bereich von durchschnittlich € 5.500,-. Die genannten Zahlen sind als Durchschnittswerte zu betrachten, die bei einzelnen Unternehmen sowohl nach oben, in wenigen Fällen auch nach unten differieren können.

 

Aus diesen Gründen schon ist ersichtlich, wie bei Schaustellern und Marktkaufleuten, eine sich

pauschal an Anzahl der Arbeitskräfte orientierte Soforthilfe auswirkt. 90% der Betriebe sind so

hochtechnisiert, dass die Unternehmen mit unter 6 Arbeitnehmern betrieben werden können und somit zum Beispiel bei der Soforthilfe nur € 9.000,-  für 3 Monate erhielten. Dieses Geld reichte hier bei mittleren und Großschaustellern nicht einmal für die monatliche Leasingrate und Leasingbanken gewähren keine Stundung. Hier ist die Politik in der Pflicht zeitnah für entsprechende Finanzhilfen zu sorgen, denn sonst wird ein ganzes Gewerbe unschuldig in die Insolvenz getrieben und das damit eng verbundene Kulturgut ausgelöscht.

 

Durch den staatlich verordneten Stillstand wurden Schausteller und Marktkaufleute vor der Corona- Krise, gesunde und funktionierende Betriebe, nicht nur landes- sondern bundesweit ins künstliche Koma versetzt. Immer wieder modifizierte Verordnungen wandelten das künstliche in ein monatelanges Langzeitkoma, ohne absehbares Ende, um.

Mit ca. 4.500 Schausteller und Marktkaufleuten, vorwiegend Mehrgenerationen- Kleinbetriebe mit bis zu 5 Mitarbeitern zählt das Reisegewerbe mit zu den kleinen mittelständischen Branchen in Baden-Württemberg.

Bundesweit bieten ca. 5.000 Schaustellerbetriebe zusammen mit ca. 40.000 Marktkaufleuten ca. 100.000 Arbeitsplätze. 

Weltweit sind Volksfeste und Jahrmärkte ein Markenzeichen für deutsche Tradition und Kultur.

Die Politik ist jetzt gefordert, dafür Sorge zu tragen, dass das Kulturgut Volksfeste und Jahrmärkte, mit seinen vielen kleinen mittelständischen Betrieben, nicht dauerhaft und massiv durch diese Krise beschädigt wird.

Sie steht voll in der Verantwortung und ist dazu verpflichtet, dem Reisegewerbe, Schaustellern und Marktkaufleuten, mit staatlichen, direkten Finanzhilfen die Existenzgrundlage und den Erhalt der Betriebe und des Kulturgutes zu sichern.

Sollte die Politik ihrer Verantwortung nicht nachkommen, würde das Reisegewerbe nach dem staatlich verordneten Berufsverbot mit einem Schlag ausgelöscht. Dies würde eine große Lücke in unserer Kulturlandschaft hinterlassen.

Die Entscheidung ob wir alle nach der Corona-Pandemie wieder Volksfeste und Jahrmärkte, „traditionelle Orte von Erlebnis und Emotion“, besuchen können, liegt jetztbei den politischen Entscheidungsträgern in Regierung und Parlament. 

+++ Offener Brief +++

Sehr geehrte Verantwortliche und Ausrichter der Baden-Württembergischen Volksfeste, Straßenfeste, Schützenfeste, Jahrmärkte und dergleichen.

Im Angesicht der sowieso schon bedrohlichen finanziellen Lage für sehr viele Schausteller und Marktkaufleute möchten wir Sie mit diesem offenen Brief anregen, intensiv über Ihre Veranstaltung nachzudenken.

Der Großteil der Feste im Land hat eine lange Tradition, bringt Lebensfreude in die jeweilige Kommune und ist oft die sogenannte „fünfte Jahreszeit“. 

Städtewerbung und Gelder, die passiv generiert werden, sei es durch Zimmerbelegungen, Taxifahrten, Lieferantenzuwendungen sind nur ein Bruchteil dessen, was in einer Kommune fehlt, sollte eine Veranstaltung nicht stattfinden.

Wir bitten Sie eindringlich, Ihre Feste und Jahrmärkte nicht vorzeitig abzusagen. sollte dies in Erwägung gezogen werden, dann muss vorher über Veränderungen gesprochen werden, auch um evtl. Kosten zu minimieren.

Festzüge abkürzen oder gar ausfallen zu lassen ist immer noch besser als überhaupt keine Veranstaltung. Dieses Beispiel ist eines das wir im „Normalfall“ als traditionsbewusste Menschen, die meist in der 3./4. oder gar 5. Generation im Reisegewerbe unterwegs sind, eigentlich niemals aussprechen würden. Aber wir müssen, besonders in dieser schweren Zeit darauf hinweisen, dass gerade jetzt flexibler und pragmatischer gehandelt werden sollte. Wir Schausteller und Marktkaufleute sind in der Lage ein Fest bzw. einen Markt in kürzester Zeit hochzuziehen, sprich aufzubauen. Bei Bedarf werden wir mit unseren Gerätschaften Arbeiten erledigen, die eigentlich sonst beispielsweise vom Bauhof oder dem Veranstalter getätigt werden. 

Auch sollten wir uns nach der „Corona-Pandemie“ umso mehr auf die Abhaltung noch bevorstehender Veranstaltungen verlassen können um unser Gewerbe am Leben zu erhalten.

Am Rande bemerkt, ist es auch rechtlich zu prüfen, ob eine festgesetzte Veranstaltung so einfach abgesagt werden kann, um sich vor eventuellen Rechtsansprüchen zu schützen. Langjährige Vertragspartner würden diesen Weg sicher nicht gehen.

Auch die Verbände der Schausteller und Marktkaufleute sind ausdrücklich gegen solche Klagen.

Wagt man einen Blick weiter in die Zukunft, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass jede Absage einen Schausteller und Marktkaufmann in noch mehr finanzielle Nöte bringen wird wie Gewerbetreibende anderer Branchen auch. 

Wenn Sie als Veranstalter auch in den Folgejahren wieder einen attraktiven Mix aus Fahrgeschäften, Buden, Verkaufsständen und Gastronomie auf Ihrer Veranstaltung haben möchten, sollten Sie mit dazu beitragen unsere kleinen, gesunden Schau-steller und Händlerbetriebe zu erhalten.

Wir bitten Sie deshalb eindringlich, Ihre Veranstaltungen nicht vorzeitig abzusagen, denn wir Schausteller und Marktkaufleute benötigen Ihre Feste und Jahrmärkte, mehr denn je, um unser Gewerbe zu erhalten in dieser für alle schweren Zeit.

Sollten Sie Fragen haben oder Hilfestellung benötigen, können Sie uns jederzeit gerne kontaktieren. 

Mit freundlichen Grüßen

Landesverband

Schausteller und Marktkaufleute

Baden-Württemberg e.V. 

gez. Werner Burgmeier

Präsident 

Schaustellerverband

Südwest Stuttgart e.V.

u. Zweiggeschäftsstelle Baden-Württemberg

des Deutschen Schaustellerbund e.V.

gez. Mark Roschmann

1. Vorsitzender

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